Mein Abo
Was wäre unsereins auf der Bühne ohne diese seltsamen Typen, die einem ständig die Kulissen einrichten, kaputtes Zeug wieder heile machen und einem die Requisiten hinterhertragen, wenn man sie entweder nicht mehr da findet, wo man sie vorher hingelegt hat, oder im Tran vergessen hat, sie sich vor der Vorstellung einzurichten? Nichts und wieder nichts, ein hilfloser Idiot, der absolut fehl am Platze wirkt.
Ach, mein Abo, wie oft hast du mir meinen Krempel hinterhergetragen, wie oft hast du dir angehört, daß die dumme Grillenhöhle in der "Biene Maja" in der Pause wegmuß, wie oft hab ich dich angeschnauzt, wenn das blöde Wikingerschiff wieder nicht so funktioniert hat, wie es sollte, wie oft hast du in letzter Sekunde ein ramponiertes Bühnenbild bespielbar gemacht, wie oft auf einer winzig kleinen Bühne die Kulissen so hingestellt, daß man gerade noch durchkam und trotzdem spielen konnte?
Wenn ich jemals einen echten Profi kennengelernt habe, dann bist du es. Du hast alles gemacht, worum man dich gebeten hat, bei wievielen anderen mußte ich erst laut werden, bevor irgendwas passiert ist? Du hast aufgebaut, abgebaut, repariert, gestrichen, gehämmert, solange, bis alles perfekt oder zumindest soweit in Ordnung war, daß wir uns wegen des Bühnenbilds nicht mehr blamieren konnten. Und kurze Zeit später standest du mit uns auf der Bühne und hast uns alle manchmal ganz schön alt aussehen lassen. Ich werde nie deinen einmaligen Auftritt als "Willis Mutter" in den "Wilden Hühnern" vergessen, ich hab noch nie so gelacht auf der Bühne und werde es auch nie wieder, hoffe ich zumindest, du Spinner!!!
Ein halbes Jahr waren wir miteinander auf Tour, in der Zeit hast du dir immer wieder meinen Weltschmerz, meinen Frust über das Theater und meinen Liebeskummer angehört, hast ständig irgendwo Schwarzbier hergezaubert, mir die abstrusesten Stories über Rolle (Name geändert) oder Elsbeth (Name auch geändert) erzählt, bis ichs nicht mehr hören konnte, mich in irgendwelche komischen Läden gesschleppt (den Puff in Dinslaken nehmen wir mal als Beispiel), mir deine schweinischen Phantasien mitgeteilt, die ich überhaupt nicht wissen wollte und mich vor dem gefürchteten Lagerkoller bewahrt, der sich an einem Tourneetheater irgendwann unweigerlich einstellt. Ich danke dir.
Und jetzt bist du weg, zurückgegangen zu deiner Tochter nach Brandenburg. Ich versteh dich, du bist ein Familienmensch und das ist aller Ehren wert, aber ich hasse es, dich zu verlieren. Wir hatten soviel Spaß miteinander, wie oft haben wir uns hinter der Bühne über so ziemlich alles und jeden lustig gemacht und du weißt mehr über mich, als ungefähr 99 % aller anderen Leute, die ich kenne.
Ich vermisse dich, aber in diesem Leben trifft man sich bekanntlich immer zweimal.
Machs gut, mein Freund,
bis bald.